#8 – Schicksal & Glück – Kunst & Können

Wir erinnern uns an Tom? Der Bei Amy in der Küche saß?
Dieser Tom hat mir von einem Erzählabend in Llangollen erzählt. Gleich am nächsten Abend, am Dienstagabend:

Fiona Eadie & Hannah Moore (Mutter & Tochter)
FAIT, FAITH & FORTUNE

Ein schöner Abend. Ich habe mich sehr zuhause gefühlt. Viele der Geschichten kannte ich oder habe ich sogar schon selbst erzählt. Und da wird es dann interessant! Wie werden die mir so vertrauten Geschichten von anderen Erzählern gestaltet?

Ein kurzer Abstecher also nach Llangollen bevor es dann auf die Llyn Peninsula geht nach Felin Uchaf.

Was für ein besonderer Ort!

Dafydd Davies-Hughes hat mit seiner Familie und der gesamten Community etwas Großartiges geschaffen. Im Rahmen eines Charityprojektes wurde das Land renaturiert und mit lokalen Baustoffen Rundhäuser gebaut. Es wird Gemüse angebaut, in Gemüsekisten verkauft oder im eigenen Café als köstliche Mahlzeit angeboten.

Dafydd ist mit Geschichten aufgewachsen

Seine Großmutter war eine stete Quelle von Folktales. Kein Wunder also, dass auch Dafydd ein wahrhaft berauschender Erzähler ist. Also, eigentlich ist er natürlich Handwerker; Ökoaktivist, Projekt Manager, Traumverwirklicher.

Ein Traum, den er verwirklicht hat, ist das Rundhaus, das er eigens und allein zum Erzählen von Geschichten gebaut hat. In der Mitte brennt ein Feuer und in größer werdenden Kreisen darum herum finden sich die unterschiedlichsten Sitzmöglichkeiten. Ein faszinierender Ort und natürlich absolut atmosphärisch!

Hier erzählt Dafydd Geschichten

... wenn er nicht gerade sonst irgendwo in Europa erzählt. Und hier erzählt alles Geschichten, was Rang und Namen hat. Jede Woche (!) findet hier ein Erzählabend statt. Jede Woche kommen 50-120 begeistert lauschende Menschen. Diese Menschen kommen ins Niemandsland. Der Weg hierher führt über sehr viele, sehr kleine Straßen durch dünnbesiedeltes Gebiet. Um hier zu landen, muss man wirklich hierherkommen wollen! Als ich Sonntagabend im Rundhaus am Feuer sitze und Dafydds Geschichte genieße, verstehe ich, warum sich immer wieder so viele Menschen hier einfinden.

Dafydd ist ein ‚Ganzkörper-Erzähler‘. Er füllt das Rundhaus komplett aus. Auch er erzählt Geschichten, die ich kenne oder auch selbst erzähle. Aber Dafydd findet wiederum ein ganz anderes Leben in diesen Geschichten. Das ist wirklich faszinierend!

Am Tag vor seiner Veranstaltung klöne ich noch mit Dafydd über einem Latte Macchiato mit Hafermilch. Und in diesem Café ist der Kaffee einfach köstlich. Wie auch das Essen.

Wir landen sehr schnell bei dem Thema, das auf dieser Reise bisher am präsentesten ist

Warum hat die Erzählkunst nicht den Bekanntheitsgrad, den sie verdient? Dafydd bestätigt, was auch schon Mike erklärt hat: Keiner kann hier vom Erzählen allein leben. Sein Erklärungsversuch ist sehr interessant. Das Erzählen mag eine der ältesten Kunst- oder Unterhaltungsformen sein. Vor allem aber war es immer kostenfrei. Erzähler hatten vielleicht Mäzen am Hofe, aber niemals hat jemand für eine Erzählung etwas bezahlt. Na ja, das nichthöfische Volk hätte sich diesen Luxus ohnehin nicht leisten können. Liegt es also in unseren Genen, dass wir eine Erzählung am liebsten als Geschenk nehmen?

Und warum ist selbst hier diese Kunstform so relativ unbekannt?

Hat dieses Land nicht eine viel lebendigere Vergangenheit mit dem Geschichtenerzählen? „Doch – hat es“, bestätigt mir Dafydd. Aber es war eben fast vollständig zur Vergangenheit geworden. Fast vollständig gestorben. Aus dem letzten Glimmen der Asche ist die heutige Erzählszene entstanden und hat das Storytelling quasi gerettet. Hat die Geschichten aus den Wohnzimmern auf die Bühnen und in die Rundhäuser geholt.

Was also können wir tun, um dem Storytelling die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die es verdient?

Dafydd meint: „Tragt die Geschichten in die Welt und lasst sie ihre Arbeit tun.“
Nun, in Felin Uchaf funktioniert es großartig!

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